Unser Schulhund

 

Die tiergestützte Pädagogik in der Schule hält momentan Einzug in alle Schulformen. Während man den „Schulhund“ früher nur aus Förder- und Grundschulen kannte, haben inzwischen eine beträchtliche Zahl von Gesamtschulen und auch Gymnasien einen „Schulhund“ im Einsatz. Seit Mai 2019 hat auch unsere Schule einen Schulhund: LINA.

Ein Schulhund ist nicht Eigentum der Schule, sondern es ist ein Hund, der in einer Schule als ausgebildeter „Schulhund“ unterstützend pädagogisch tätig ist. Dieser Hund gehört einer Lehrperson der Schule, bei uns ist das Frau Odenius, und tritt innerhalb der Schule immer nur gemeinsam mit dieser im Team auf. Hund und Lehrperson werden entsprechend als sogenanntes „Mensch-Schulhund-Team“ ausgebildet. Vor der Ausbildung wird der Hund auf seine Eignung als Schulhund getestet.

Wissenschaftliche Studien zeigen: Kinder und Jugendliche, die mit Tieren aufwachsen sind meist verantwortlicher, empathischer, sozial kompetenter und können besser lernen <www.schulhundweb.de>. Hunde haben nachgewiesenermaßen psychologische Wirkungen auf ihre menschliche Umgebung wie z. B. die Förderung von Selbstwert und Wohlbefinden. Das führt zu einer entspannenden und angst lösenden Reaktion. Sie tragen daher zu einer besseren Atmosphäre in der Lerngruppe bei, indem sie Vertrauen aufbauen und Sicherheit vermitteln. Da Hunde als Rudeltiere den Menschen so annehmen wie er ist, ohne auf Äußerlichkeiten oder intellektuelles Wissen zu achten, fühlt der Mensch sich bestärkt und akzeptiert. Gerade das Agieren auf einer nonverbalen Ebene schafft einen idealen Gegenpol zu der notwendigerweise verbal geprägten Lernumgebung. Durch den Hund bekommen Schüler eine andere Rolle, über diese Motivation können Fortschritte im Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten erzielt werden. Da Hunde Stimmungen wesentlich besser wahrnehmen können als Menschen, fördert ihre Anwesenheit gerade ruhige und schüchterne Kinder. Beim Streicheln des Hundes wird beim Menschen das auch als „Kuschelhormon“ bekannte Oxytocin ausgeschüttet, was beim Menschen nachweislich zur Stressminderung und Blutdrucksenkung und daher zur Entspannung beiträgt. Im heutigen, modernen Schulsystem können Hunde einen wichtigen Baustein im Bereich der individuellen Förderung und dem Stressabbau darstellen. Unterschiedliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Hunde eine wertvolle Hilfestellung bei der Wahrnehmung der eigenen Person sind. Mit Hunden kann der Mensch Verhalten nicht diskutieren, sie spiegeln es einfach und kehren es um. So kann empathisch erreicht werden, die Rechte anderer Lebewesen zu erkennen und zu respektieren. Andererseits hebt es das Selbstbewusstsein des Schülers ungemein, wenn der Hund auf Anweisung kleinere Befehle ausführt oder sogar neue Tricks erlernt. Wenn der Schüler für den Hund sorgt, indem er den Wassernapf bereitstellt oder die Decke holt, lernt er Verantwortung für ein ein anderes Wesen zu übernehmen.

Vor etwa zehn Jahren begann an Schulen die pädagogische Arbeit mit dem „Schulhund“. Inzwischen sind deutschlandweit 352 Schulen registriert, die erfolgreich einen Schulhund einsetzen und sich der Selbstverpflichtung angeschlossen haben. Diese Selbstverpflichtung bedeutet, dass sich Schulhundhalter und Schule verpflichten, die geforderten Hygienestandards einzuhalten.

Unsere Schulhündin Lina ist eine Mischlingshündin und jetzt bald drei Jahre alt. Sie lebt seit 1,7 Jahren in der Familie Odenius mit drei Kindern (15, 18 und 21 Jahre) und ihren beiden Katzen Dracula (6 Jahre) und Nosferatu (1 Jahr). Von Anfang Mai 2019 bis zu den Sommerferien begleitete  Lina Frau Odenius als „Lehrer auf vier Pfoten“ zwei bis drei Mal die Woche in den Unterricht. Lina kam als Straßenhund aus Moskau im Januar 2018 nach Deutschland. Sie ist sehr kinderlieb. Lina ist insgesamt gut sozialisiert und kontaktfreudig. Lina ist sehr aufmerksam, interessiert und geräuschunempfindlich. Lina hat sich schnell in ihr neues Aufgabenfeld Schule eingelebt. Seit Mai 2019 nimmt Frau Odenius mit Lina an der Therapie-Begleithund- bzw. Schulhund-Ausbildung im „www.euregio-hundezentrum.de“ teil. Diese Ausbildung beinhaltet zahlreiche Praxis- und Theorieseminare und dauert ca. 12 Monate. Voraussichtlich werden Lina und sie dementsprechend im Schuljahr 2020/21 als voll ausgebildetes Schulhund-Team an der Städtischen Realschule Übach-Palenberg arbeiten können. Bis dahin befindet sich Lina sozusagen noch im „Referendariat“.

Der Schulhund begleitet den Halter täglich in die Schule. Die Regeln für den Umgang mit dem Schulhund werden mit den Schülern der einzelnen Klassen besprochen bzw. hängen in den Pausenbereichen aus. In der Klasse hängt ein auf den Unterricht bezogener Regelkatalog (Regeln für den Umgang mit Lina). Lina begleitet Frau Odenius in der Regel in den Unterricht ihrer Klassen. Zudem wird überlegt eine Hunde-AG anzubieten, in der Schüler den richtigen Umgang mit Hunden üben und erlernen können sowie Tricks mit dem Hund eintrainieren können. Lina tritt stets im Team mit Frau Odenius auf und ist ständig unter Aufsicht. Während des Unterrichts bewegt sich Lina in der Regel frei in der Klasse. Man darf sie aber nicht zu sich rufen. Sie entscheidet, zu wem sie geht und kann sich auch hinlegen. Die Schüler dürfen Lina während der Stunde streicheln, wenn sie kommt. Die Anwesenheit des Hundes im Klassenraum muss von jedem toleriert werden, der direkte Kontakt ist aber auf völlig freiwilliger Basis. Ein Schüler kann den Hund auch ignorieren oder aber ruhig wegschicken. Übertreten die Schüler die vereinbarten Regeln, wird der Hund sofort geschützt und das bedeutet, aus der Klasse entfernt. Regeln zum Umgang mit dem Hund werden nicht diskutiert und sind nicht verhandelbar. Aber die Kinder werden nicht zurechtgewiesen, sie erfahren einfach die Konsequenz ihres Handelns. Die daraus resultierende ruhige Lernatmosphäre wird von Schüler- und Lehrerseite als positiv erlebt und hoffentlich auf die Folgestunden übertragen.

 Die Gesundheit und Unbedenklichkeit von Lina wird von einem Tierarzt schriftlich bescheinigt. Ferner liegt eine Haftpflichtversicherung vor, sodass eventuelle Ansprüche, die aus der Hundehaltung entstehen, damit versicherungstechnisch abgedeckt sind. Die geforderten Hygienebestimmungen und das Tierschutzgesetz werden eingehalten. In der Klasse muss es die Möglichkeit geben, sich nach Hundekontakt die Hände zu waschen (die Schüler werden auch diesbezüglich aufgeklärt und immer wieder darauf hingewiesen).

Eine eventuelle Angst vor Aggressionen und Beißunfällen ist unbegründet. Einzelne Schüler haben dennoch Angst vor Hunden. Durch die freundliche Ausstrahlung und die Sanftheit eines geschulten Hundes kann es aber gelingen, diese Angst zu vermindern und einen natürlichen Umgang mit Hunden zu erlernen. Die Vermittlung von „Hundesprache“ im Schulhundprojekt hilft auch im Alltag beim richtigen Umgang mit fremden Hunden. Es gibt auch gezielte Übungen zum Hundekontakt bei ängstlichen Kindern. Sollte Ihr Kind eine Hundephobie haben, sprechen Sie uns bitte im Vorfeld an.

In der Fachliteratur lässt sich nachlesen, dass hundespezifische Allergien (also allergische Reaktionen auf die Allergene Can f1 bis f3) beim Schulhundeinsatz eher eine untergeordnete Rolle spielen. Diese wirken sich bei Betroffenen nur aus, wenn sich die Haare in Teppichen festsetzen oder wenn der Hund dauerhaft im gleichen Zimmer schläft. In der Schule reicht der Zeitraum nicht aus, um allergische Reaktionen im Kontakt mit Schülern auszulösen. Sollten Sie gleichwohl Bedenken haben, sprechen Sie uns auch gerne persönlich an.